Keine Stunde Null (Paperback)

ISBN/EAN: 9783961700349
Sprache: Deutsch
Umfang: 148
Einband: Paperback
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Liebe Frau Bundeskanzlerin,
als wir unser Schwerpunktheft unter dem Titel »Keine Stunde Null« planten, gab es noch keine globale Corona-Krise. Fast hätten wir den Fehler gemacht, das Thema unter dem Druck der – z. T. aufgeheizten – Stimmung im Lande über den Haufen zu schmeißen. Denn auch Ihr Krisenmanagement war von Anfang an vom »Kampf um die Köpfe« durchtränkt. Was da alles spekuliert wurde, was Covid-19 mit uns, unserem Zusammenleben, mit der Wirtschaft, der Gesellschaft etc. macht, und natürlich auch mit unserem Bild von der Welt und davon, wie sie regiert wird: »CORONA/ 2020 / ALLES WIRD ANDERS« (Stern, 19.3.), »Plötzlich war nichts wie bisher« (NZZ, 28.3.), »Wirtschafts-Eiszeit: wir rutschen in das Corozän« (manager magazin 4/2020).
Die Liste ließe sich fortsetzen. Ganz ehrlich: Covid-19 tut uns fast ein wenig leid, bei so viel medialem Stuss.
In Ihrer Rede ans Volk vom 18. März haben Sie die Corona-Pandemie als größte Herausforderung seit dem Mauerfall, nein: seit dem Ende des 2. Weltkrieges gewertet. Der »Stern« bemüht das Attentat vom »11. September 2001«, das bekanntermaßen einen weltverändernden »War on Terror« legitimieren sollte. Und US-Präsident Donald Trump taufte Covid-19 »Wuhan- Virus«, um keine Zweifel zu lassen, wen er als eigentlichen Gegner im »War on Virus« sieht.
All das bestätigt uns, dass wir gut beraten waren, bei unserem geplanten Schwerpunktthema »Keine Stunde Null« zu bleiben. Denn weder der 8. Mai 1945 war eine solche, noch wird die »Corona-Krise« als solche in die Geschichte eingehen. Das erste unterstreichen unsere Autoren überzeugend und im Detail. Angefangen mit dem »Mörderischen Finale« der Nazis, über die Nachkriegspläne ihrer Kapitalgeber, die gezielte Restauration alter Macht- und Eigentumsverhältnisse – die Liquidation und anhaltende Delegitimierung der DDR bis zur Aufhebung der Gemeinnützigkeit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten.
Die Pläne der Arbeiterbewegung bzw. aller Antifaschisten – und nur für einen ganz kurzen Moment auch die Ihrer Partei (siehe ›Ahlener Programm‹) – für eine bessere, friedlichere, nazifreie Zukunft waren andere – und sind es heute noch.
Auch die Corona-Krise ist keine »Stunde Null«. Das Virus ist nur ein Virus, – mit Sicherheit höchstgefährlich, aber strunzdumm, erforsch-, berechen- und bekämpfbar und vor allem kein handelndes Subjekt mit Interessen und Handlungsoptionen. Covid-19 kann ohne Zweifel als »Katalysator« für vorhandene Entwicklungsprozesse wirken oder missbraucht werden bzw. als »Evolutionsbeschleuniger«, wie der Zukunftsforscher Matthias Horx schreibt. Da kommt bestimmt einiges auf uns zu. Und vor allem wird’s teuer! Aber verantwortlich für das was kommt, bleiben immer die Handelnden mit ihren Interessen, Motiven und Prioritäten.
Wenn wir als Marxisten in die Zukunft blicken, lassen wir aus gutem Grunde die Vergangenheit nicht aus dem Auge. Und ob nach Corona »alles besser wird«, wie Ihr CDU-Fraktionsvorsitzender uns weismachen möchte, darf historisch begründet bezweifelt werden. Denn nicht nur 1945/49, sondern auch 1989/90, hat es keinen wirklichen Neuanfang zum Besseren für die arbeitenden Menschen (!) gegeben, weder einen »christlichen Sozialismus«, noch »blühende Landschaften«.
Besser wird auch im Corona-Jahr 2020 nichts von alleine. Auch deshalb bleiben wir der Tradition, den Forderungen und Zukunftsvorstellungen des antifaschistischen Widerstandes verpflichtet. Mit kämpferischen Grüßen
Lothar Geisler                                   Ulrich Schneider
(Verantwortlicher Redakteur)            (Verantwortlich für das Schwerpunkthema)
Gastkommentar
»Lasst uns auf die Jagd gehen …«, Bundessprecherrat der Kommunistischen Plattform, 20. März 2020 Aktuelles
Corona – die Nadel, welche die Blase zum Platzen bringt, Klaus Wagener
Fuchs, Wolf, Bär, Löwe, Floh, Georg Fülberth
Die Gesundheit dringend aus den Händen des Marktes befreien, Marc Botenga, MdEP, Menschenrechte in China und im Westen, Autorenkollektiv (VR China)
Martin Luther und die Hedge-Fonds-Manager, Greg Godels (USA)
»Parteistärkung geht nicht auf Knopfdruck« - Patrik Köbele (DKP-Vorsitzender) und Wera Richter (Stellvertretende Vorsitzende) im Interview
Zur irischen Parlamentswahl, Niall Farrell (Irland)
Caritas oder politische Strategie?, Franz Parteder (KPÖ Graz)
Polnische Geschichtspolitik, Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) Thema: »Keine Stunde Null«
Der 8. Mai 1945: Keine Stunde Null !, Werner Röhr
Mörderisches Finale - Die Naziverbrechen in der Endphase des Krieges als Vorbereitung auf die Nachkriegszeit, Ulrich Sander
Der 8. Mai 1945 und die geistige Situation der Zeit, Rainer Holze / Reiner Zilkenat
Die politischen Visionen der Antifaschisten für die Nachkriegsordnung, Ulrich Schneider . 
Kapitalstrategien für die Nachkriegszeit, Jörg Kronauer
Vergleichbar mit 1918/19: Statt Neubeginn – Die alten Mächte blieben, Ludwig Elm
»Aus der deutschen Politik muss die Russophobie verbannt werden!«, Egon Krenz im Interview mit den »Marxistischen Blättern« Dokumentation
Aufruf des ZK der KPD vom 11. Juni 1945
Das Manifest der demokratischen Sozialisten
Rede des Opel-Betriebsratsvorsitzenden Fritz Zängerle vor der Belegschaftsversammlung am 20. März 1946 (Auszug)
Forderungen der DKP Hamburg in der Coronakrise
Für eine engere internationale Zusammenarbeit gegen Covid-19 (Offener Brief) Konferenzen
Eindrücke vom Engels-Kongress der Universität Wuppertal im Februar 2020, Arnold Schölzel Positionen
Hans Werner Henze und die »Internationale Musik-Werkstatt« in Montepulciano, Hanns-Werner Heister
Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung als höchster Grad freier Selbstbestimmung? Wir sagen NEIN!, Autorenkollektiv der Partei Die Linke
Klimawandel und friedenspolitische Diskurse, Karl-Heinz Peil Rezensionen
Philipp Becher, Faschismusforschung von rechts, A. James Gregor und die
ideozentrische Deutung des italienischen Faschismus, (Ulrich Schneider)
Sammelbesprechung: Samuel Salzborn, Angriff der Antidemokraten. Die völkische Rebellion der Neuen Rechten; Klaus-Peter Hufer, Neue Rechte, altes Denken. Ideologie, Kernbegriffe und Vordenker; Christoph Butterwegge / Gudrun Hentges / Bettina Lösch (Hrsg.), Auf dem Weg in eine andere Republik. Neoliberalismus, Standortnationalismus und Rechtspopulismus; Mechthild Gomolla / Ellen Kollender / Marlene Menk (Hrsg.),
Rassismus und Rechtsextremismus in Deutschland. Figurationen und Interventionen
in Gesellschaft und staatlichen Institutionen; Anne Broden / Stefan E. Hößl / Marcus
Meier (Hg.), Antisemitismus, Rassismus und das Lernen aus Geschichte(n), (Rainer Venzke)
Stefan Berger, Burkhard Dietz, Helmut Müller-Enbergs (Hg.), Das Ruhrgebiet im Fokus der Westarbeit der DDR, (Raimund Ernst) Beilage: Eine mehr als trübe Quelle – Hintergründe der Attacken auf die Gemeinnützgkeit der VVN-BdA; Rechtsanwalt Hans-E. Schmitt-Lermann