Beschreibung
Haben ist besser als Brauchen. Dieser Spruch, wenn auch in Redewendungen noch oft genutzt, ist mittlerweile mehr als überholt: Nachhaltigkeit und Sharing-Konzepte (wie etwa das in Großstädten längst zur Gewohnheit gewordene Carsharing) sind die neuen Schlagworte, die unsere heutige Gesellschaft prägen. Auch der Tourismus hat sich in Zeiten der Globalisierung zwangsläufig mehr und mehr gewandelt: Klassische Konzepte geraten in den Hintergrund, neue Ideen sind gefragt und überfluten den Markt. So finden auch das heiß diskutierte Thema Nachhaltigkeit und die sogenannte Shareconomy (auch: Sharing Economy) Einzug in die Welt der Hotellerie, des Geschäftstourismus und der gesamten Reisebranche. Zeit, sich mit diesen Themen auch auf wissenschaftlicher Grundlage zu beschäftigen. Die Autorin Carina Balow befasst sich mit den Potenzialen, Herausforderungen und Handlungsempfehlungen in Bezug auf die Chancen der Nachhaltigkeit für den Tourismus. Dabei nimmt sie beispielhaft den Geschäftstourismus in Schleswig-Holstein in den Blick und kommt zu dem Schluss, dass das Thema Nachhaltigkeit in diesem Bereich eine immer wichtigere Rolle spielen muss.Nicole Skelnik behandelt die Risiken und Chancen der Shareconomy im Tourismus und analysiert dabei die Internetplattform Airbnb. Nach einer detaillierten Betrachtung der Vor- und Nachteile kommt die Autorin zu dem Fazit, dass sich die Auswirkungen der Chancen und Risiken gegenseitig ausgleichen und die Shareconomy längst kein Nischenphänomen mehr ist, sondern auch in Zukunft größeren Raum einnehmen wird.
Leseprobe
Textprobe:Kapitel 3. Einfluss der Shareconomy auf die Tourismusindustrie:3.1 Erscheinungsformen:3.1.1 Bewertungsportale:Bevor Reisende die Entscheidung treffen, welches Hotel oder welcher Urlaubsort ihren Anforderungen entspricht, erkundigen sie sich auf Bewertungsportalen. Auf den Onlineplattformen Holidaycheck oder Tripadvisor werden z.B. in einer Community Bewertungen und Erfahrungen geteilt und unterstützen damit die Entscheidungsfindung der Kunden. Statt einer gemeinschaftlichen Nutzung von Gütern findet hier daher ein Wissensaustausch statt. Auf die Frage Wie schätzen Sie den Wert von Bewertungsportalen für Sie persönlich ein? antworteten 31 % im Rahmen einer Umfrage mit sehr wichtig. Für 48 % der Befragten erscheint der Wert ebenfalls als wichtig, sie benutzen die Plattformen dennoch mit Vorsicht. Die Glaubwürdigkeit von Bewertungsportalen ist durch die Möglichkeiten der Hotels, eigenständig generierte Bewertungen online zu stellen, zweifelhaft. Seit 2011 spricht sich Holidaycheck offiziell gegen gefälschte Bewertungen aus. Verstößt ein Unternehmen gegen die Richtigkeit von Bewertungen, erhält es auf der Internetplattform einen Achtung Manipulation oder Vorsicht Verdacht-Stempel. 3.1.2 Urlaubspartner und Gruppenreisen:Neue Menschen kennenzulernen und Erlebnisse zu teilen, ist die Intention vieler Reisender. Über die Hälfte der Touristen bevorzugt es, gemeinsam zu reisen. Nicht immer ist es möglich, einen geeigneten Urlaubspartner zu finden. Der technologische Fortschritt ermöglicht es jetzt, potenzielle Mitreisende gezielt im Internet zu suchen. Portale wie www.urlaubspartner.net erleichtern die Suche nach Reisepartnern, indem sie jährlich über 10.000 Kontaktanzeigen veröffentlichen. Das Prinzip gleicht einer Dating-Börse: Präferenzen wie Destination, Reisedauer und Charaktereigenschaften werden in jeder Anzeige angegeben, um einen möglichst passenden Reisepartner zu finden. Im Jahr 2014 hat das Internetportal bereits 945 Reisepartner erfolgreich vermittelt. Doch nicht nur positive Emotionen und Erlebnisse werden in der Tourismusbranche geteilt. Auch negative Emotionen wie Trauer oder Angst verbinden. Das Unternehmen Re-Bo-Reisen hat diese negativen Emotionen als Chance für eine neue Art des Reisens gesehen. Dies ist ein Spezialreiseveranstalter, welcher sich ausschließlich an Menschen richtet, die einen Angehörigen verloren haben. Die Reisen sollen Menschen in einer ruhigen Atmosphäre ermöglichen, Kraft zu gewinnen, Trauer zu überwinden und Emotionen zu teilen. Auf jeder Reise ist eine qualifizierte Begleitung dabei, die sich für Einzelgespräche zur Verfügung stellt. Die Destinationen sind meist sonnenreiche Regionen, die Kraft vermitteln und ermöglichen die Seele und Gedanken wieder positiv zu stimmen. 3.1.3 Ausleihbare Verkehrsmittel:Ausleihbare Verkehrsmittel bieten Touristen die Möglichkeit, Städte individuell selbst zu erkunden. C2C-Unternehmen wie Car2Go verfügen in zahlreichen europäischen Städten wie Berlin, Amsterdam, Wien oder Rom über Leihwagen. Nach einer Validierung kann der Kunde über eine App nach nahliegenden Fahrzeugen suchen, sie reservieren, öffnen und nutzen. Nach einer einmaligen Anmeldegebühr von 19,99 ¤ zahlt der Kunde 0,29¤ pro Minute, 14,90¤ pro Stunde oder 59,00¤ pro Tag. Darin sind Benzin, Steuern, Versicherung und Parkgebühren bereits enthalten. Doch nicht nur Autos werden von Touristen gemeinschaftlich genutzt. Ähnlich wie das Prinzip von Car2Go funktioniert die Nutzung der CityBikes. Viele Großstädte bieten, meist in Verbindung mit einer Karte der öffentlichen Verkehrsmittel, Fahrräder an, die dann an bestimmten Stationen auszuleihen sind. Das Berliner Unternehmen Call a Bike ermöglicht ihren Kunden, die Fahrräder an zahlreichen Orten zu leihen und wieder abzugeben. Nach dem Download der App und der Hinterlegung der Kreditkarteninformationen kann die Nutzung der Fahrräder beginnen. Hierbei ist es möglich, einen Minutenpreis zu zahlen oder sich für einen Pauschaltarif für Stunden oder Tage zu entscheiden. Die Methode der Verleihsysteme für Autos und Fahrräder wird auch unter Bootsbesitzern genutzt. Der Elektronikstudent Martin Schmeding ist Gründer des Unternehmens Bootschaft. Auf der Internetplattform www.bootschaft.net kann jeder registrierte Nutzer nach Vorweisung eines Segelscheins ein Boot reservieren und segeln. Die Boote sind im Besitz von Privateigentümern, die sich dazu entschieden haben, ihre Jollen in der nicht genutzten Zeit an Segler zu vermieten, die keine Möglichkeit haben, ein eigenes Boot zu besitzen. Den Preis pro Stunde setzt hierbei jeder Eigentümer selbst fest. Die Idee des Charterns ist nicht neu, doch durch die Entstehung der Online-Segelcommunity erfährt das Prinzip an Modernität.3.1.4 Ferienunterkunftsportale:Nachhaltigkeitsorientierte Wohnungseigentümer, die freie Kapazitäten zur Verfügung haben, entscheiden sich regelmäßig dazu, Touristen einen Schlafplatz anzubieten. In der Online-Community www.couchsurfing.com werden seit 2004 Schlafplätze ohne Gegenleistung bei Einheimischen angeboten. Weltweit kommunizieren in dem Netzwerk über 10 Millionen Mitglieder aus 200.000 Städten. Die Intention dahinter ist es, in erster Linie touristische Destinationen aus einheimischer Sicht kennenzulernen sowie im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln. Unternehmen wie WIMDU, 9Flats und Airbnb haben diese Idee aufgegriffen und verändert umgesetzt. Die Vermittlung der Schlafplätze findet ebenfalls innerhalb einer Online-Community statt. Der Unterschied zu Couchsurfing liegt dabei darin, dass für die Übernachtung ein Geldbetrag gezahlt wird und dass es möglich ist, ganze Unterkünfte, anstatt nur einer Couch, zu mieten. Das weltweit erfolgreichste Portal ist die Internetplattform Airbnb, die im Folgenden vorgestellt wird [].4 Geschäftsreisetourismus in Schleswig-Holstein:4.1 Wirtschaftliche Bedeutung des Geschäftsreisetourismus in Schleswig- Holstein:Im Rahmen einer Analyse der wirtschaftlichen Effekte des Geschäftsreisetourismus für das Land Schleswig-Holstein wurde vom Institut für Management und Tourismus der Fachhochschule Westküste (IMT) Heide, unter Leitung von Professor Dr. Bernd Eisenstein, das Geschäftsreiseaufkommen und die Bedeutung des Segmentes für Schleswig-Holstein in ihrer Entwicklung im Jahresvergleich von 2006 zu 2010 untersucht. Die Analyse wurde gemeinsam von der Marketingkooperation Städte in Schleswig-Holstein e. V. (MakS), der Messe und Event Nord e. V., der MuK und den IHKs in Schleswig-Holstein in Auftrag gegeben. Die Erkenntnisse sollten als Ergänzung zu der bislang geltenden Tourismusstrategie für Schleswig-Holstein, in welcher der Geschäftsreisetourismus keine Berücksichtigung gefunden hatte, eine Datenbasis liefern und als Ausgangslage für die weitere Bearbeitung des Themenbereichs dienen. Die Ergebnisse der Untersuchung basieren auf einer Sekundäranalyse und Schätzungen des IMT, da es bislang keine repräsentative und periodische Erhebung des Geschäftsreiseaufkommens für Schleswig-Holstein gegeben hat. Zudem beziehen sich die Ergebnisse der dargestellten privaten und geschäftlichen Tagesreisen ausschließlich auf Reisen, die durch Inländer getätigt worden sind dabei spielt gerade das Incoming-Geschäft durch Ausländer für den Geschäftsreisetourismus in Deutschland eine bedeutende Rolle.Anhand der Ergebnisse der IMT-Untersuchung wird deutlich, dass Schleswig-Holstein stark vom privaten Tourismus geprägt ist. Der Geschäftsreisetourismus spielt im Vergleich nur eine sehr geringe Rolle und trägt prozentual nur zu einem geringen Teil zum Tourismusaufkommen bei. Auch im nationalen Vergleich zeigt sich, dass der Standort Schleswig-Holstein für den Geschäftsreisetourismus in Deutschland kaum von Bedeutung ist. Im Jahr 2010 haben die Geschäftsreisen inkl. Übernachtung 1,3 % der gesamten Übernachtungsreisen (private und geschäftliche Reisen) ausgemacht. In der geschätzten Summe entspricht das 480.000 Geschäftsreisen mit Übernachtung. Das Volumen der Tagesgeschäftsreisen lag bei einem Anteil von 12,2 % an den gesamten Tagesreisen und in der Summe insgesamt bei rund 16,78 Mio. eintägigen geschäftlich bedingten Reisen.Im Zeitraum von 2006 bis 2010 ist ein leicht positiver Trend in der Entwicklung der Geschäftsreisen auszumachen. Die Gästezahl im Rahmen der Übernachtungsgeschäftsreisen hat dabei in den fünf Jahren mit 9,1 %, insgesamt stärker zugenommen, als es für die Tagesgeschäftsreisen der Fall gewesen ist. Hier hat es nur einen Zuwachs von 4,9 % gegeben. Eine rückläufige durchschnittliche Aufenthaltsdauer hat allerdings dazu geführt, dass die Zahl der geschäftlich bedingten Übernachtungen gegenüber den Gästezahlen in diesem Zeitraum weniger stark gestiegen ist. Die Untersuchung zeigt darüber hinaus, dass der Geschäftsreisetourismus nur zu 8,3 % der gesamten Aufenthaltstage und zu 5,5 % der gesamten touristischen Wertschöpfung in Schleswig-Holstein beiträgt. Hierbei ist trotz des geringeren Aufkommens der Übernachtungsgeschäftsreisetourismus das gewinnbringendere Segment. Pro Übernachtung durch einen Geschäftsreisenden wird eine Wertschöpfung in Höhe von 62,00 Euro dokumentiert, wohingegen diese bei Übernachtungen im Leisure-Bereich bei rund 28,00 Euro liegt. Im Rahmen der Tagesgeschäftsreisen wird mit einer Wertschöpfung von rund 7,71 Euro gerechnet, bei den freizeitbedingten Tagesausflügen liegt diese allerdings bei 10,99 Euro. Die Übernachtungsgeschäftsreisen sind somit, wirtschaftlich betrachtet, das attraktivste Segment.Im Jahr 2010 haben die geschätzten Bruttoumsätze aus dem Geschäftsreisetourismus insgesamt bei 419,9 Mio. Euro gelegen. Den größten Anteil daran (70,3 %) hatten die Tagesgeschäftsreisen mit einem Bruttoumsatz von 295,1 Mio. Euro. Mit 124,8 Mio. Euro haben die Übernachtungsgeschäftsreisen einen Anteil von 29,7 % am gesamten Geschäftsreisetourismus in Schleswig-Holstein ausgemacht. Hierbei lagen die durchschnittlichen Tagesausgaben pro Person bei den Geschäftsreisen mit Übernachtung mit 122,65 Euro deutlich höher als bei den Tagesgeschäftsreisen mit 17,58 Euro.Von besonderer Bedeutung sind in Schleswig-Holstein die traditionellen Geschäftsreisen (bedingt durch Kundenbesuche, Termine mit Geschäftspartnern oder bei Außenstellen). An zweiter Stelle steht die Teilnahme an beruflich motivierten Fort- und Weiterbildungen. Weniger bedeutend sind in Schleswig-Holstein die promotablen Geschäftsreisen. Soll Schleswig-Holstein vom bundesweiten Trend profitieren, muss dieses Segment stärker von den touristischen Akteuren aufgegriffen und gefördert werden.Das Angebot an Veranstaltungsstätten in Schleswig-Holstein ist im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland sehr gering. Nur 2,7 % aller deutschen Veranstaltungshäuser liegen in Schleswig-Holstein. Im Ländervergleich liegt das nördlichste Bundesland damit nur auf Platz 10 im Gesamtranking um die Zahl der Veranstaltungsstätten. Trotz des geringeren Angebotes könnte der Anteil der geschäftsreisebedingten Nachfrage bei den touristischen Leistungsträgern in Schleswig-Holstein deutlich höher sein. Ausreichende Kapazitäten stehen bspw. in der Nebensaison (Herbst, Winter, Frühjahr) zur Verfügung. Die Nebensaison ist in Schleswig-Holstein bislang noch nicht so stark ausgelastet, da sich die Hauptreisezeit der bedeutenderen Zielgruppe Schleswig-Holsteins (Leisure-Bereich) in den Sommermonaten befindet und sich an den Ferienterminen orientiert.
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