Details

ISBN/EAN: 978-8-02-735109-1
Einband: kartoniertes Buch
Weitere Details
Auflage:
1. Auflage 2022
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
124 S.
Format (T/L/B):
0.7 x 22.9 x 15.2 cm

Hersteller:
e-artnow s.r.o.
kristoferpaetau@gmail.com
Za sidlistem 22
CZ 14300 Prague


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Ich - der Augenzeuge

Psychologische Exilliteratur über hysterische Blindheit, Kriegslazarett und Gewissensschuld

11,00 €

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Beschreibung

Ernst Weiß' Roman "Ich - der Augenzeuge" entfaltet als beklemmende Ich-Erzählung die fiktive Beichte eines Arztes, der 1918 einen durch Gas erblindeten Soldaten namens A. H. behandelt und ihn durch suggestive Therapie wieder sehend macht. Aus diesem medizinischen Akt erwächst eine historische Schuldphantasie: Der Zeuge erkennt zu spät, dass seine Heilkunst einem künftigen Verhängnis gedient hat. In präziser, nervös verdichteter Prosa verbindet Weiß psychologische Fallstudie, Exilliteratur und antifaschistische Zeitdiagnose. Ernst Weiß, 1882 in Brünn geboren, war selbst Arzt, bevor er sich der Literatur zuwandte; diese doppelte Kompetenz prägt den Roman bis in seine klinische Genauigkeit. Als jüdischer Autor, Freund Franz Kafkas und Emigrant in Paris schrieb er unter dem Druck der nationalsozialistischen Katastrophe. Seine Erfahrung von Entwurzelung, medizinischer Verantwortung und politischer Ohnmacht bündelt sich in der Figur des schuldhaft sehenden Augenzeugen. Dieses Buch empfiehlt sich Leserinnen und Lesern, die historische Literatur nicht als bloße Rekonstruktion, sondern als moralische Erkenntnisform begreifen. Weiß zwingt dazu, über Verantwortung, Mitwisserschaft und die gefährliche Ambivalenz wissenschaftlicher Macht nachzudenken. Ein schmaler, eindringlicher Roman von erstaunlicher Aktualität.