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29.03.2024
Deutsch
156
Marxismus - Nicht nur für Einsteiger
Mit Beilage "Russland besser verstehen", Joachim Hösler
Beschreibung
Editorial
Wer heutzutage bei all den gleichzeitigen Krisen und unübersichtlichen Lagen nicht kopflos werden will, braucht starke Nerven, aber vor allem Orientierungswissen. Wer sich nicht nur moralisch empören, sondern verstehen will und deshalb nach Ursachen, Hintergründen und Vorgeschichte z. B. eines Krieges fragt, wird schnell als »Putin-Versteher«, »Antisemit« oder »Terroristenfreund« denunziert. Vor allem von denen, die Angst davor haben, dass mehr Menschen die Zusammenhänge und Interessen hinter den Dingen, hinter der Politik erkennen und sich aufmachen, diese Welt grundlegend zu verändern. Der Marxismus kann für diesen Erkenntnis- und Veränderungsprozess eine große Hilfe sein.
Mit dem vorliegenden Heft wollen wir darum auf einige zentrale Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus verweisen. Diese zu erkennen und Erkenntnisse weiterzuentwickeln braucht den von Vernunft geleiteten Diskurs und Verständigung in der Gemeinschaft. Daher haben wir auf Verständlichkeit und Lesbarkeit der einzelnen Artikel großen Wert gelegt. Diese sollen ermuntern, einzelne Themen zu vertiefen und mit uns und anderen zu diskutieren.
Holger Wendt gibt einen Einstieg in den Kern des wissenschaftlichen Sozialismus und wie dieser in Auseinandersetzung mit den drängenden Problemen realer Klassenverhältnissen entstanden ist.
Menschen und Gesellschaften, so führt Raimund Ernst aus, sind zwangsläufig historische Wesen mit einer Geschichte, die diese kennen müssen, um sich heute orientieren zu können. Geschichte würde jedoch nie neutral betrachtet, sondern immer interessengeleitet.
Jonathan White beschreibt, dass jede Produktionsweise Klassen formiert, die sich aus den Eigentumsverhältnissen ergeben und aufgrund unüberbrückbarer Gegensätze zum Klassenkampf führen.
Claudius Vellay schreibt über den Materialismus als philosophische Grundlage des wissenschaftlichen Sozialismus. Realität könne nur durch Denken auf theoretisch fundierter Grundlage erschlossen werden, nicht durch virtuelle Bilderwelten.
Die Dialektik als Methode menschlichen Denkens veranschaulicht Nina Hager. Dabei müsse man stets die tatsächlichen Zusammenhänge, Widersprüche, Veränderungen und Entwicklungen eines Gegenstandes analysieren, um ihn zu verstehen.
In Abgrenzung zur weit verbreiteten moralischen Kritik an Ausbeutungserscheinungen stellt Ulf Brandenburg Ausbeutung als Wesensmerkmal der kapitalistischen Gesellschaft dar. Kapitalismus sei ohne Ausbeutung nicht zu haben.
Klaus Müller schreibt über die Ware, mit der Marx im »Kapital« seine Kapitalismus- analyse beginnt. Ohne ein Verständnis des »vertrackten Dings« mit seinen »theologischen Mucken« bleiben die kapitalistischen Verhältnisse unverstanden.
Werner Zimmer-Winkelmann entfaltet in seinem Artikel wichtige Merkmale der menschlichen Natur, deren Verständnis notwendig sei, um die Handlungen von Menschen in den Verhältnissen zu begreifen und auf dieser Basis die kollektive Handlungsfähigkeit zu erweitern. Georg Klemp gibt schließlich einen lebendigen Einblick in den Entstehungszusammenhang des Arbeiterliedes. Dieses stelle einen wichtigen Erfahrungsschatz dar, auch um gegen der Resignation angesichts aktueller Schwäche der Arbeiterbewegung entgegenzuwirken.
Mit unserer Beilage "Russland besser verstehen" von Joachim Hösler, den "Innenansichten aus Russland" von Kerstin Kaiser und russischen O-Tönen wollen wir -jenseits von Freund-Feind-Denken- einen kleinen Beitrag zu einem realistischeren Russlandbild leisten.
Inhalt
Inhalt Marxistische Blätter 2_2024
Einwurf von Links, Kerstin Kaiser
Kommentare
Den Krieg nach Russland tragen?, Fred Schmid
Zu IG Metall und Aufrüstungspakt, Anne Rieger
»Gewerkschafter gegen Aufrüstung« ( Aufruf )
Nach Irland oder in die Wüste, Niall Farrell
»Achse des Völkermordes«, Joachim Guilliard
Linke Migrationspolitik, Artur Pech
Veränderte Merkmale der Parteien in Westeuropa, Vladimiro Giacché
Die Europawahlen vor der Tür, Ulrich Schneider
Bauernstreik – und nun?, Anke Schwarzenberg
»Regierungsantifa« oder Zivilgesellschaft gegen Rechts?, Maria Krüger
Helfen statt reden, Franz Stephan Parteder
In Memoriam Harald Werner, Werner Zimmer-Winkelmann
Leserzuschriften/Diskussion
Diskussionsbeitrag zu: Von der ›Zeitenwende‹ zum Epochenbruch, Markus Bernd
Konferenzen/Berichte
Die Theorie ist eine revolutionäre Kraft, Jenny Farrell
Migration und Internationalismus – wie geht das zusammen?, Kathrin Otte
Thema: »Marxismus – Nicht nur für Einsteiger«
Editorial
Drei Quellen und drei Bestandteile, Holger Wendt
Wissen, wie es geworden, ist Voraussetzung, was zu ändern ist. Raimund Ernst
Klassen, Klassenkampf und Klassenbewusstsein, Jonathan White
Marxistischer Materialismus, Claudius Vellay
Was ist Dialektik?, Nina Hager
Was ist Ausbeutung?, Ulf Brandenburg
Ware und Warenproduktion, Klaus Müller
Über die menschliche Natur, Werner Zimmer-Winkelmann
Das Arbeiterlied als Element einer musikalischen Gegenkultur, Georg Klemp
Bei anderen gelesen Innenansichten aus Russland, Kerstin Kaiser
Russische Stimmen zur Verurteilung von Boris Kagarlitski, Dmitrij Rodionow
Kalenderblatt Immanuel Kant – 1724–1804, Hermann Klenner
Positionen Warum die Partei nützlich sein muss, Tobias Schweiger
Sozialismus und Jugend, MarxLenin P. Valdés
Keine Klimagerechtigkeit ohne Frieden, Anne Rieger
Lateinamerika und das Ende der westlichen Vorherrschaft (Teil 1), Peter Gärtner
Weshalb Portugal eine neue Agrarreform braucht, Martin Leo
Wist empfiehlt Literatur: Daniel Kehlmann, Joanna Bator, Peter Handke
Rezensionen: Claus-Jürgen Göpfert: »Wer nicht hören will, wird bestreikt!« (Georg Fülberth)
Ekkehard Lieberam: 100 Jahre Faschismusdebatte (Herbert Münchow)
Domenico Losurdo: »Der Kommunismus – Geschichte, Erbe und Zukunft« (Andreas Wehr)
Innovative Marxist School in China. Comments by International Scholars on Cheng Enfu’s Academic Thoughts (Werner Rügemer)
Kohei Saito: Systemsturz. Der Sieg der Natur über den Kapitalismus (Rainer Venzke)
Tolman Charles W.: Psychologie, Gesellschaft und Subjektivität. Geschichte und Grundlagen der Kritischen Psychologie (Werner Zimmer-Winkelmann)
Walter Rodney: Wie Europa Afrika unterentwickelte (Valentin Zill)