Natur gegen Kapital (Paperback)

Marx' Ökologie in seiner unvollendeten Kritik des Kapitalismus
ISBN/EAN: 9783593505473
Sprache: Deutsch
Umfang: 328 S.
Format (T/L/B): 2 x 21.2 x 14 cm
Auflage: 1. Auflage 2016
Einband: Paperback
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Marx' Ökologie - dieser Ausdruck klingt wie ein Oxymoron. Hat Marx nicht die absolute menschliche Herrschaft über die Natur propagiert? Angesichts der heutigen globalen ökologischen Krise ist es unumstritten, diese im engen Zusammenhang mit dem kapitalistischen System zu analysieren. Für die Gestaltung einer breiten 'roten' und 'grünen' Bewegung im 21. Jahrhundert ist deshalb eine Aktualisierung der Marx'schen Theorie unerlässlich. Kohei Saito rekonstruiert systematisch die unvollendete Marx'sche ökologische Kritik des Kapitalismus anhand der neuen Marx-Engels-Gesamtausgabe. Diese gibt unbekannte naturwissenschaftliche Exzerpte von Marx preis sowie seinen Versuch, den Widerspruch des Kapitalismus als ökologische Krise zu thematisieren.
Kohei Saito ist Gastforscher in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in der Abteilung Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA).
Vorwort Die vorliegende Arbeit wurde im Dezember 2014 als Dissertation demInstitut für Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin vorgelegt.Vor allem möchte ich mich bei Andreas Arndt herzlich bedanken,der seit dem Anfang meines Aufenthalts in Deutschland mein Projekt invielerlei Hinsicht rückhaltlos unterstützt und mich stets motiviert hat. Ohne seine Betreuung wäre mir der erfolgreiche Promotionsabschlussim Ausland nicht möglich gewesen. Frieder Otto Wolf und HaraldBluhm bin ich auch sehr dankbar für ihre Bereitschaft, als Gutachter amDissertationsverfahren mitzuwirken. Der Beitrag wurde von zahlreichen intensiven Diskussionen und Gesprächen mit Tomonaga Tairako, Ryuji Sasaki, Hideto Akashi undSoichiro Sumida in Seminaren an der Hitotsubashi Universität in Tokyound in privaten Lesekreisen inspiriert, die seit mehr als zehn Jahren andauern.Sie haben auch die früheren Versionen meiner Arbeit gründlichgelesen und sie mit ihren kritischen Kommentaren wesentlich verbessert.Die ursprüngliche Inspiration für diese Arbeit stammt aus meinerErfahrung bei der Editionsarbeit des Bandes IV/18 in der Marx-Engels-Gesamtausgabe. Teinosuke Otani hat mich im September 2012 nachunserem Forschungsaufenthalt im Internationalen Institut für Sozialgeschichte(IISG) in Amsterdam zur Teilnahme an der japanischenMEGA-Editionsgruppe eingeladen und mir seitdem durch seine sorgfältigeMarx-Lektüre die Bedeutung der Notizen und Exzerpte für dieMarx-Forschung vor Augen geführt. Ihm gilt mein bester Dank.Interessante und spannende Diskussionen mit Kevin Anderson, MichaelHeinrich, Michael Perelman, Kolja Lindner, Ingo Stützle und ElenaLouisa Lange auf verschiedenen Konferenzen und Veranstaltungenin Berlin, London, New York, Beijing, Tokyo und Zürich haben mirwährend der Vorbereitung des Manuskripts wichtige Impulse gegeben.Besonders möchte ich bei dieser Gelegenheit betonen, dass ohne JohnBellamy Fosters anregende Kommentare das Projekt sicherlich wenigerfruchtbar und aktuell ausgefallen wäre. Die MEGAEditoren in der BerlinBrandenburgischen Akademieder Wissenschaften (BBAW), vor allem Gerald Hubmann, haben michbei der oft schwierigen Auseinandersetzung mit Marx' Exzerpten ermutigt.Mein Dank gilt ebenso Claudia Reichel, die freundlicherweiseoft Fotokopien der aufbewahrten Marginalien und Briefe von Marx undEngels zur Verfügung stellte. Ohne Timm Graßmanns Hilfe beim Korrekturlesenwäre mein Text kaum lesbar. Mit seinem freundlichen Charakterwar er sicherlich mein wichtigster Gesprächspartner in Berlin.Martin Regenbrecht danke ich für seine sorgsame Lektoratsarbeitbei der Vorbereitung der Druckvorlage. Martin Kölbel hat freundlicherweisein letzter Minute den Satz des Buches übernommen. Ich bedanke mich schließlich für das DAADStipendium und das ElsaNeumannStipendium, das meinen Aufenthalt in Berlin finanziell ermöglicht hat. Kohei Saito Berlin, im Oktober 2015 Einleitung: Marx' Ökologie heute? Der Ausdruck "Marx' Ökologie" klang jahrzehntelang wie ein Oxymoron.Sowohl Marx' Annahme des unbegrenzten wirtschaftlichen undtechnologischen Wachstums als auch sein Propagieren der absolutenNaturbeherrschung schienen in striktem Gegensatz zu jeglicher ernsthaftenDiskussion über die Naturressourcenknappheit und die Überbelastungder Ökosphäre zu stehen. In den 1970er Jahren, als in denwestlichen Gesellschaften verschiedene ökologische Probleme als ernsthafteBedrohung der menschlichen Zivilisation sicher fühlbar gewordenwaren, tadelte Horst Kurnitzky, dass Marx "den destruktiven Charakter,der in Naturwissenschaft und Industrie von Anbeginn angelegtist, übersieht", da der Begründer des Sozialismus sich immer noch "imKontinuum des bürgerlichen Versuchs vollkommener Naturbeherrschung" bewege (Kurnitzky 1970: 61). John Passmore pflichtete KurnitzkysKritik bei und behauptete in Man's Responsibility for Naturesogar: "Nichts könnte ökologisch schädlicher sein als die hegelianischmarxistischeDoktrin" (Passmore 1974: 185). Der gegen