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Die Sünde der Brüder

Ein Lord-John-Roman, Die Highland-Saga 2

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783442371358
Sprache: Deutsch
Umfang: 551 S.
Format (T/L/B): 4 x 18 x 11.5 cm
Einband: kartoniertes Buch

Beschreibung

Eine verbotene Liebe. Und ein grausames Familiengeheimnis ? Man schreibt das Jahr 1758, als Lord John Greys Familie sich durch die zweite Heirat seiner Mutter um einen Stiefbruder vergrößert. Als er dem jungen Mann namens Percy begegnet, stockt Lord John der Atem: Er hat Percy schon einmal getroffen ? in einem diskreten Etablissement! Kurz darauf muss John eine Reise in den Lake District antreten, wo der von ihm verehrte ? und begehrte ? Jamie Fraser unter Arrest steht. Und plötzlich sieht sich John mit einem weiteren Konflikt konfrontiert. Mitten in den Wirren der Schlacht bei Krefeld drängt das schreckliche Geheimnis, das auf seiner Familie lastet, ans Licht ?

Autorenportrait

Diana Gabaldon war Honorarprofessorin für Tiefseebiologie und Zoologie an der Universität von Arizona, bevor sie sich hauptberuflich dem Schreiben widmete. Bereits ihr erster Roman Feuer und Stein wurde international zu einem gigantischen Erfolg und führte dazu, dass Millionen von Lesern zu begeisterten Fans ihrer Romane wurden. Zuletzt wurde Gabaldons Highland-Saga unter dem Titel Outlander hochkarätig fürs Fernsehen verfilmt. Diana Gabaldon ist Mutter dreier erwachsener Kinder und lebt mit ihrem Mann in Scottsdale, Arizona.

Leseprobe

London, Januar 1758 Die Gesellschaft zur Wertschätzung des englischen Beefsteaks, ein Herrenclub Soweit sich Lord John Grey erinnerte, wurden Stiefmütter in der Literatur für gewöhnlich als gierige, bösartige, durchtriebene, mordlustige und gelegentlich zum Kannibalismus neigende Wesen dargestellt. Stiefväter dagegen schienen eher nebensächlich, wenn nicht sogar vollkommen harmlos zu sein. 'Squire Allworthy vielleicht?', sagte er zu seinem Bruder. 'Oder Claudius?' Hal, der mitten im Zimmer stand und unruhig den Globus des Clubs drehte, sah elegant, weltmännisch und absolut unverdaulich aus. Er ließ von seiner Beschäftigung ab und warf Grey einen verständnislosen Blick zu. 'Was?' 'Stiefväter', erklärte Grey. 'Im Vergleich mit der mütterlichen Variante scheinen sie auf den Seiten der Romanliteratur bemerkenswert selten vorzukommen. Ich habe mich nur gerade gefragt, in welchen Bereich des Charakterspektrums Mutters neueste Errungenschaft wohl fallen würde.' Hals Nasenflügel bebten. Er selbst beschränkte seine Lektüre auf Tacitus und möglichst detaillierte griechische und römische Militärhistorien. Die Angewohnheit, Romane zu lesen, betrachtete er als eine Form moralischer Schwäche. Bei ihrer Mutter, die schließlich eine Frau war, war diese verzeihlich und völlig verständlich. Dass sein jüngerer Bruder diese Unsitte teilte, war weniger akzeptabel. Dennoch sagte er nur: 'Claudius? Aus Hamlet? Gewiss nicht, John, es sei denn, du weißt etwas über Mutter, das ich nicht weiß.' Grey war sich einigermaßen sicher, dass er eine ganze Reihe von Dingen über ihre Mutter wusste, die Hal nicht wusste, doch jetzt war weder der Zeitpunkt noch der Ort, dies zu erwähnen. 'Fallen dir denn andere Beispiele ein? Berühmte Stiefväter der Weltgeschichte vielleicht?' Hal spitzte die Lippen und runzelte nachdenklich die Stirn. Dann griff er sich geistesabwesend an die Uhrentasche seiner Weste. Auch Grey fasste sich an die Westentasche, in der seine goldene Uhr - es war die gleiche wie die seines Bruders - ein beruhigendes Gewicht bildete. 'Noch hat er keine Verspätung.' Hal warf ihm einen Seitenblick zu, der zwar kein Lächeln war - zu so etwas war er nicht in der Stimmung -, aber doch mit einem Hauch von Humor versetzt war. 'Immerhin ist er Soldat.' Greys Erfahrung nach war die Mitgliedschaft im Bund der Waffenbrüder zwar nicht unbedingt gleichbedeutend mit Pünktlichkeit - ihr Freund Harry Quarry war Oberst, und er kam chronisch zu spät -, doch er nickte gleichmütig. Hal war schon gereizt genug. Grey wollte keinen törichten Streit beginnen, der am Ende noch auf die bevorstehende Begegnung mit dem auserwählten dritten Ehegatten ihrer Mutter abgefärbt hätte. 'Es könnte wahrscheinlich schlimmer sein', sagte Hal und widmete sich wieder seiner mürrischen Betrachtung der Weltkugel. 'Immerhin ist er kein verflixter Kaufmann. Oder sonst ein Geschäftsmann.' Seine Stimme triefte bei diesem Gedanken vor Verachtung. Tatsächlich hatte man General Sir George Stanley sogar zum Ritter geschlagen, ein Titel, der ihm aufgrund seiner Dienste an der Waffe zuteilgeworden war und den er nicht von Geburt an trug. Er entstammte zwar einer Familie von Geschäftsleuten, diese hatten sich jedoch auf die respektablen Bereiche des Bankwesens und der Handelsschifffahrt beschränkt. Benedicta Grey dagegen war Herzogin. Zumindest war sie es gewesen. Während er der bevorstehenden Hochzeit seiner Mutter bis jetzt einigermaßen ruhig entgegengeblickt hatte, verspürte Grey unvermittelt ein mulmiges Gefühl in der Magengegend - eine körperliche Reaktion auf die Erkenntnis, dass seine Mutter bald keine Grey mehr sein würde, sondern Lady Stanley - eine Fremde. Das war natürlich lächerlich. Gleichzeitig jedoch empfand er auf einmal mehr Verständnis für Hal. Die Uhr in seiner Tasche begann, Mittag zu bimmeln. Keine halbe Sekunde später stimmte Hals Uhr ein, und die Brüder lächelten einander an, die Hände an den Westen, plötzlich vereint. Die Uhren waren baugleich, eine je Leseprobe